Von kurz zu lang: Sofort, Jetzt, Gleich und Dann
Gibt es eigentlich eine Definition der Zeitspannen: jetzt, gleich, sofort, dann und ähnliches? Bereits vor 2010 habe ich mich mit diesem Phänomen beschäftigt und auch eine…
Alltagsbegriffe ohne feste Definition – von vagen Entfernungsangaben („Katzensprung“, „Steinwurf“) über unklare Mengen („ein paar“, „einige“) bis zu Lautstärke- und Temperaturangaben wie „Zimmerlautstärke“ oder „lauwarm“. Wir versuchen, ihnen trotzdem eine Zahl zu geben.
Die folgenden Beiträge greifen jeweils einen vagen Begriff auf und zeigen an einem konkreten Fall, welchen Kontext und welche Bedeutung er dort erhält.
Gibt es eigentlich eine Definition der Zeitspannen: jetzt, gleich, sofort, dann und ähnliches? Bereits vor 2010 habe ich mich mit diesem Phänomen beschäftigt und auch eine…
Was macht einen Begriff eigentlich "vage"? Sprachwissenschaftlich beschreibt Vagheit die fehlende scharfe Abgrenzung eines Begriffs: Es gibt eindeutige Fälle, in denen er zutrifft, eindeutige Fälle, in denen er nicht zutrifft – und dazwischen einen breiten Graubereich, in dem sich nicht klar entscheiden lässt. Klassisches Beispiel ist das Sorites-Paradoxon: Wann genau wird aus einem Sandhaufen kein Haufen mehr, wenn man Korn für Korn entfernt? Diese Unschärfe der Sprache betrifft nicht nur Alltagsbegriffe, sondern durchzieht praktisch jede natürliche Sprache – auch die, in der Gesetze, Verträge und Nachrichten formuliert sind.
Auch das Wort selbst trägt diese Unschärfe in sich: "Vage" kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts über das französische vague ins Deutsche und geht auf das lateinische vagus zurück – wörtlich "umherschweifend, unstet, ungebunden". Ursprünglich bezeichnete es also etwas räumlich Umherirrendes; erst mit der Zeit verschob sich die Bedeutung ins Abstrakte, von "ohne festen Ort" zu "ohne feste Bedeutung".
Besonders deutlich wird das im juristischen Kontext. Das Recht arbeitet bewusst mit sogenannten unbestimmten Rechtsbegriffen wie "Treu und Glauben", "gute Sitten" oder "angemessene Frist". Diese Vagheit ist hier kein Mangel, sondern Absicht: Sie verschafft Gerichten den nötigen Interpretationsspielraum, um Einzelfälle sachgerecht zu beurteilen, statt starre Definitionen auf jede denkbare Lebenslage pressen zu müssen.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Serie "Vage Begriffe" an: Sie nimmt Wörter und Wendungen unter die Lupe, die im Alltag ständig verwendet werden, ohne dass ihre genaue Bedeutung oder Grenze wirklich feststeht – und zeigt, wie diese Unschärfe entsteht, wo sie nützlich ist und wo sie zu Missverständnissen führt.